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Peterchens Mondfahrt

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Gerdt von Bassewitz


Die Schlittenfahrt auf der Milchstraße


Das war ein seltsames Kutschieren.Noch nie sind Kinder so schön gefahren, wie Peterchen und Anneliese inSandmanns Mondschlitten auf der Milchstraße zum Schoß der Nachtfee fuhren!Aus einem leise leuchtenden Schaum war der Weg unter ihnen, glänzender alsfrischer Schnee und zarter als der Schaum der klarsten Wellen. Lautlos glitt derSchlitten auf diesem Zauberwege durch den Himmelsraum. Nur die kleinen, gläsernenGlöckchen an den Fühlern der Falter klangen leise im Takt, so, wie die schönenTiere ihre Flügel hoben und senkten. Mächtige Bäume wuchsen zu beiden Seitender Milchstraße; durchsichtig waren sie und mit großen, weißen Blumenbedeckt. 'Das sind die Milchbäume', erklärte das Sandmännchen; 'aus ihrenBlumen tropft der süße ~ Den essen die Sternenmädchen, wenn sie hungrig sind.'

Unter diesen blühenden Alleebäumen ging es dahin, und die weißen Blumenkamen den Kindern einmal so nahe, daß Annneliese das Händchen ausstreckte, umeine solche Blüte abzupflücken. Sie bekam es zwar nicht fertig, denn derSchlitten fuhr viel zu schnell, aber alle Finger waren von dem herrlichenMilchstraßenhonig naß.Nun ging es ans Ablutschen!Peterchen machte natürlich auch Anspruch auf den Honig, und Anneliese wargut. Sie ließ ihn drei von ihren Fingerchen ablutschen. Die anderen beidenaber, die größten, behielt sie doch für sich. Das war auch ihr gutes Recht.Wirklich, so etwas Süßes hatten sie noch nie geschmeckt!

Jetzt kamen sie an einer Wiese vorbei, auf der sich eine Herde sehrsonderbarer Tiere tummelte. Beinahe sahen sie wie Ziegen aus und beinahe wiekleine Wölkchen mit Beinen. Immerfort huschten sie herum, aber sie bewegten dieBeinchen gar nicht dabei. Als ob ein Wind sie durcheinanderwirbelte, sah es aus,und dazu meckerten sie, daß es klang, als ob tausend Kinder sich totlachenwollten. 'Es sind die Himmelsziegen', erklärte das Sandmännchen; 'siegrasen hier den Mondspinat ab. Zu Weihnachten werden ihnen die goldenen Hörnchenabgebrochen; dann ist auf der Sternenwiese für die Sternenmädchen ein großerFestschmaus. Es gibt Milchstraßenschlagsahne mit Himmelsziegenhörnchen. Dasschmeckt unbeschreiblich gut! 'Die Kinder konnten sich wohl denken, daß so etwas gut schmeckt.

Und nun fuhren sie an einem sonderbaren See vorüber. Sein Wasser flimmertewie geschmolzenes Silber, über das ein leiser Wind geht. Es war leuchtendeNebelluft, die leise Wellen schlug. In dem See wimmelte es von unzähligenkleinen Fischen; die funkelten wie bunte Flämmchen. Immerfort zuckten, huschtenund zitterten sie herum. Totenstill war's dabei. 'Das ist der Tausee mit denIrrlichterfischchen!' erklärte der Sandmann. 'In jeder stillen Nacht kommtein wunderschönes Mädchen leise an das Ufer des Tausees, das Taumariechen, dieTochter der Nachtfee. Mit einer Schale, die aus einem einzigen Diamantengeschnitten ist, schöpft sie aus dem See. Dann schwebt sie zur Erde hinab undsprengt den kühlen Tau über Gärten, Wiesen und Wälder, damit alle Blumen undBäume, alle Gräser und Kräuter frisch und schön sind am Morgen. Manchmalgeschieht es, daß einige von den funkelnden Fischen mit in die Schale desTaumariechens kommen Die werden dann auch mit dem Tau über die Wiesen gestreut,und man kann sie in stillen Nächten huschen und funkeln sehen. 'Elmsfeuerchen'sagen die Menschen, oder ' Irrlichter'.

Und weiter ging die Fahrt. An der Weide der Himmelskühe und Mondkälberkamen sie jetzt vorüber, die wie große, dicke Wolken herumrutschten auf denweißen Wiesen und immerfort fraßen. Nicht durchsichtig waren sie wie dieMondschäfchen und Himmelsziegen auf den anderen Weiden, sondern große,undurchsichtige graue Klumpen. 'Sie sind gar nicht beliebt bei den Sternchen',sagte der Sandmann; 'weil sie oft die Aussicht auf die Erde mit ihren dicken Bäuchenversperren, so daß die Sternchen ihre schlafenden Kinder dort unten nicht rechtsehen können. Aber die Nachtfee braucht die Himmelskühe. Aus ihrer Milch wirddie Mondbut ter gemacht. Die braucht der Koch der Nachtfee zum Kuchenbacken;besonders für die schönenMondscheinfladen, die es manchmal auf dem Kaffeeklatsch bei der Nachtfeegibt.'

Das Sandmännchen schmunzelte ordentlich bei dem Gedanken an dieMondscheinfladen. Sie waren nämlich sein Leibgericht. Und heute nacht sollte esauch welche geben. Das hatte der Milchstraßenmann, der die Mondbutter liefernmuß, verraten. 'Am Himmel gibt's doch viele gute Sachen', dachten dieKinder;'soviel Gutes zu essen!' Nur der Sumsemann saß hinten im Schlitten undsah etwas gelangweilt aus. Für ihn war das alles nichts. Kein einziges grünesBlättchen hatte er bisher entdecken können. Alles war von Silber oder vonZucker. Für Mondbutter, Sternblumenklee, Milchstraßen- Schlagsahne undHimmelsalz.

  
Das geheime Handbuch der Drachenkunde. Eine Anleitung für den Umgang mit Drachen (Gebundene Ausgabe)
von Ernest Drake,
Dugald A. Steer
Siehe auch:
Expedition in die geheime Welt der Drachen
von Ernest Drake
Drachen-Sticker
Drachologie. Ein Kurs für Drachenforscher - Aufspüren und Zähmen. Mit 3-D-Drachenmodell
von Ernest Drake
Das geheime Buch der Magie. Die Zauberkunst Merlins
 
    
     
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