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Peterchens Mondfahrt

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Wieder daheim


Als der Maikäfer seinen Spruch gesprochen hatte, war es den Kindern ganz dunkelvor Augen geworden; sie fühlten, wie der Boden sich unter ihnen auftat und wiesie in eine fast unendliche Tiefe hinabsausten. Sehen konnten sie nichts, und hörenkonnten sie nur ein ungeheures Brausen und Summen. Krampfhaft hielten sieeinander umklammert und konnten weiter nichts denken, als daß sie sich nurnicht loslassen durften. So ging es eine ganze Weile, und dann war es ihnen plötzlich,als sänge mitten in dem Brausen und Summen ein kleiner Vogel. Immer lauterwurde das Zwitschern und Singen, das Summen aber wurde immer leiser, bis es ganzaufhörte und nur noch das trillernde Vögelchen zu hören blieb. Da wagten dieKinder, die Augen aufzumachen. Ha!... sie saßen in ihrem Kinderzimmerchen, engumschlungen, im Nachthemdchen mitten auf dem Tisch!

Die Sonne warf gerade den ersten blitzenden Strahl durch das Fenster, und aufdem Fliederbusch draußen pfiff ein kleiner Zeisig vergnügt seinMorgenliedchen. Beide Kinder waren so erstaunt, daß sie sich zunächst mit weitaufgerissenen Augen anguckten. Dann sagte Peterchen - aber erst nach einerganzen Weile: 'Anneliese!' und Anneliese sagte: 'Peterchen!'Als sie dabei merkten, daß sie ganz richtig noch Peterchen und Anneliesewaren und nicht etwa Fledermäuschen, Mondschäfchen oder Kanonenkugeln,platzten sie los und lachten schrecklich. Sie hatten aber auch wirklich sehrkomische Dinge erlebt und waren nach so viel Gefahren und Abenteuern, ohne eineeinzige Beule oder sonst ein Wehwehchen, wieder daheim in ihrem Stübchen. Grundzur Freude war also genug. Alles um sie her war ganz in Ordnung. Schaukelpferd,Puppenstube, Bilderbücher und... hurra! das Püppchen und Hampelhänschen auch;so gesund, als wären sie niemals vom Mondmann aufgefressen worden. Selbst die Körbchenmit den Äpfeln standen hübsch auf dem Tisch, wie die Mutter sie am Abendhingestellt hatte. Das war wirklich wunderbar!

Sie waren noch damit beschäftigt, all dies jubelnd festzustellen, da hörtensie draußen die dicke Minna kommen. Husch! - waren sie im Bettchen. Die Minnakam herein, wie an jedem anderen Morgen und rief:'Aufstehen, aufstehen, Kinderlein! Die Sonne ist schon über der Wiese!Aufstehen, Peterchen, Anneliese!Peterchen, der kleine Strick, tat, als ob er eben aufwachte und rieb sichumständlich die Augen. Dann fragte er ganz verschlafen, ob es schon so hell wäre.'Natürlich!' sagte die Minna und zog die Gardinen am Fenster zurück! Summ! -schwirrte etwas in der Stube umher!

'Der Maikäfer ! ' riefen die Kinder wie aus einem Munde und waren im Nuaus dem Bett. Schwupp! - hatte die Minna ihn schon und wollte ihn ins Feuerstecken. Aber da kam sie bei Peterchen schön an. 'Was? den Sumsemanntotmachen? Der darf nicht totgemacht werden, der ist unser Sumsemann, den mußman fliegen lassen!' rief er und zog sie energisch am Schürzenband. Die Minnaschüttelte den Kopf; sie konnte nicht begreifen, was das alles heißen sollte;sie war eben zu dumm, die Minna. Schließlich aber gab sie den kleinen Käferder Anneliese auf so dringendes Bitten doch ins Händchen und ging hinaus, umdie Mutter zu holen.

Kaum waren die Kinder allein, so liefen sie zum Fenster und betrachteten denKäfermatz. Er lag in Annelieses Händchen und stellte sich tot. Natürlich, dieMinna hatte ihn auch schauderhaft erschreckt!Peterchen zählte sofort seine Beinchen. Ja, es waren richtig sechs Beinchen!Also, das Abenteuer war nicht umsonst gewesen, die Beincheneroberung war geglückt,wirklich geglückt, und die Sumsemanns waren nach tausend Jahren zu ihrem Rechtgekommen durch die Taten Peterchens und Annelieses. Anneliese meinte, man könnees wirklich nicht sehen, daß das Beinchen angeklebt sei, und aus tiefster Überzeugungsagte sie:'Spucke klebt schön!'Jeder wird das glauben nach dieser Erfahrung!Da krabbelte das Käferchen wieder. 'Er merkt, daß wir es sind, und fürchtetsich nicht mehr', meinte Peterchen, und sie freuten sich beide. Dann machtensie schnell das Fenster auf, Anneliese hielt ihr Händchen hinaus, und siesangen das berühmte Fliegeliedchen. Der kleine Sumsemann aber krabbelte emsigauf den ausgestreckten Zeigefinger Annelieses, breitete auf der obersten Spitzeseine Flügel aus und ... summ ... flog er hinaus in den blauen Morgen, überden Garten, über die Wiese, weit, weit!'Ade, ade, Herr Sumsemann!Kommen Sie gut zu Hause an!'

riefen sie und winkten ihm nach. Da kam die Mutter herein, umarmte ihrebeiden Kinderchen, gab ihnen einen lieben Gutenmorgenkuß und außerdem - daswar eigentlich seltsam! - jedem Kind ein schönes Pfefferkuchenpäckchen miteinem Gruß vom Weihnachtsmann. Es waren genau die Kuchenpäckchen, die dasPfefferkuchen-männchen ihnen auf der Weihnachtswiese in der Nacht gepflückthatte. Nun war es klar - nun war es ganz gewiß, daß die Mutter mit demWeihnachtsmann eng bekannt und sehr befreundet war, daß sie schon das ganzeAbenteuer von ihm wußte und auch die Geschichte vom Mondmann, der allesaufgefressen hatte. Der Weihnachtsmann hatte natürlich alles gesehen, Püppchen,Hampelmann, Äpfel und Pfefferkuchen; hatte sie aus des Mondmanns Bauch wiederherausgezaubert und der Mutter schnell auf die Erde geschickt, zur Belohnung fürdie Kinder. Es war ganz gewiß so - es konnte ja gar nicht anders sein! Und helljubelnd fielen sie ihrem lieben, lieben Muttchen um den Hals!

  
Das Riesenmädchen und die Minipopps (Gebundene Ausgabe)
von Julia Donaldson,
Axel Scheffler
Siehe auch:
Sam und das Meer (Minimax)
von Axel Scheffler
Flunkerfisch
von Julia Donaldson
Riese Rick macht sich schick
von Julia Donaldson
Der kleinste Dinosaurier.
von Julia Donaldson
 
    
     
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